Why should I?
Noch nicht das Ende der Demokratie aber …

… vielleicht ein Anzeichen beginnenden Verlusts von Fähigkeit dazu

Ein schriller Wahlkampf ist nicht das Ende der Demokratie

meint Nicolas Hehl. Nun, er ist Journalist, der nicht berichtet, sondern stellvertretend gleich für den Leser seines Berichts über das Berichtete urteilt, ohne sich auf die seinem Urteil ja von ihm ausgewählten und zugrunde gelegten Werte bzw. Bedeutungen festlegen zu wollen. Er verwendet die Form eines Urteils um dem, was er da plakatiert, den Anschein von Bedeutung zu geben und rechnet damit, dass niemand etwas merkt. Er schreibt in der gleichen Weise seine Artikel wie die Wahlkämpfer sich gegenseitig mit Gags übertrumpfen und damit die “Themen”, um die es ihnen angeblich geht so sehr unbedacht aber eben originell strapazieren, dass dabei Botschaften herauskommen, die sogar die Standpunkte, die sie in anderen Fragebereichen vertreten, unterspült werden, ohne dass sie es bemerken.

Man kann sich schon fragen, für wen die Wahlkämpfer das Wahl- und Stimmvolk halten und ob sie sich im Klaren darüber sind, wes Geistes Kind diejenigen sind, die sie mit ihren Gags für sich gewinnen.

Wer eigentlich bewirbt sich in einem solchen Wahlkampf so verbissen worum wirklich? Sind Menschen, die um jeden Preis in’s Rampenlicht wollen und sich einbilden, die Besten von allen zu sein, die das Notwendige und Richtige “für das Land” kennen, wollen und auch noch können, fähig zu demokratischer Vertretung ihrer Wähler oder neigen sie nicht dazu, ihre Wähler, sobald sie von diesen erhalten haben, was sie von ihnen erbettelt, ergaukelt oder erlistet, erhalten haben, eher zu benutzen oder gar zu bevormunden, um ihre politische Karriere fortsetzen zu können?

Sind Menschen ernst zu nehmen, die den Wahlkampf als weltanschauliche Streetparade auffassen, wo das Schrille des Auftritts die Ratlosigkeit gegenüber den Themen übertönen und überblenden soll? Es ist ein schlechter Witz, dabei auf den Gedanken zu kommen, es gehe im Wahlkampf darum, das Vertrauen der Wähler in die Politik wieder herzustellen, erst recht, wenn immer wieder behauptet wird, dem Zeitgeist entsprechend müsse Wahlkampf heute in schrillen Tönen geführt werden.

Viele Wahlkämpfer und ihre Berater meinen wohl, die Krise müsse mit diesen schrillen Tönen übertönt werden oder sie rechtfertige es, als Kulisse für effektvolle Auftritte benutzt zu werden.

Viele Politiker sind von der Krise als Kulisse für ihre Rolle fasziniert. Krisen sind Biotope für Hochstapler, Wichtigtuer und Rechthaber jeder Überzeugung und jeden Bekenntnisses. Krise liefern Argumente für Gut und Böse, Schuld und Sühne und zur Aufhetzung zu Rache und Säuberungen von den Einen durch die Andern.

Der Wahlkampf ist vielleicht noch nicht das Ende der Demokratie, aber sein Ergebnis könnte durchaus einen Schritt näher daran heran führen.

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