Eine namhafte Schweizer Grossbank stellt sich in ihrer Beziehung zu ihrem Domizilland als Teil einer starken Partnerschaft dar.
Sie wirbt mit einer Broschüre unter dem Titel “Schweiz und UBS - Starke Partner” sowohl für die wie wohl kleine “wirtschaftlich ganz grosse” Schweiz als eines der wohlhabendsten Länder der Schweiz und möchte anhand von von ihr zusammengestellten “Zahlen und Fakten” den Beitrag der UBS an diese Stärke erklären.

Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit, die vielen, zweifellos tüchtigen und seriösen Mitarbeiter zu ermutigen und neues Vertrauen bei der Kundschaft aufzubauen kann man sich fragen, ob für eine Werbung mit diesen Argumenten der richtige Zeitpunkt und das passende Umfeld gewählt sind.
Die jüngere und jüngste Vergangenheit der Beziehungen zwischen der Nation und/oder dem Staat, jedenfalls seinem administrativen wie politischen (Steuerzahler) Fiskus, kann mit besten Willen weder in der Schweiz und einfach nur noch viel weniger im Ausland - rund um die Welt - kaum als eine Geschichte der Stärke und schon gar nicht als ein Zeichen hinzugewonnener, neu errungener Stärke erinnert und gedeutet werden. Vielmehr ist man sich Europa- und weltweit nicht eigentlich im Klaren, welche Rolle künftig die Banken in einer wie veränderten Wirtschaft zu spielen haben werden. Fakten und Zahlen aus der Vergangenheit mögen über die allgemeine Ungewissheit der unterschiedlichst autorisierten Führenden jeden Ranges nicht hinwegzutäuschen. Sie können sogar den Eindruck erwecken, die Bedenken und bangen Fragen der Geführten und Betroffenen würden von diesen Führenden nicht wirklich verstanden, nicht gehört und teils auch einfach nicht wahr- und ernst genommen und der Hinweis auf Stärke solle die Adressaten auffordern, die bisherigen, von ihnen installierten oder zumindest anerkannten Autoritäten nur machen zu lassen. (Das passt auch zur Empörung Thomas Straubhaars über die Ratingagenturen, die dieser im heutigen Streitgespräch auf DRS4 mit Beat Kappeler als unverantwortlich abqualifizierte, weil sie Analysen aus ihrer eigenen Sicht erstellen, die mit Wünschen diverser Beteiligter, Betroffener und vor allem Interessierter und noch Führender nicht übereinstimmt).
Wie in politisch oder kulturell ganz anderen aber nicht minder brisanten Zusammenhängen zeigt sich auch hier das krampfhafte Festklammern bisher von Erfolg und Macht Verwöhnter an das Denk- und Handlungsmuster des Entscheidens, Anordnens und Handelns aus einer Position gesicherter Überlegenheit, die als Stärke geglaubt und Unterlegenen plausibel gemacht wird.
An die Kunden wenden sich denn auch diese Institution und Ihresgleichen an Kunden - in der Politik an Wähler - mit der vielversprechenden Vorstellung :
“Mit einem starken Partner erreichen Sie mehr”
Was allerdings diese Stärke ausmache und worin, zu welchem Preis und unter welchen zusätzlichen Bedingungen denn dieses “mehr” bestehe, ist weit weniger bestimmt als das scheinbar eindeutige Versprechen den Eindruck zu erwecken versteht.
Stärke lässt sich auf verschiedene Art und Weise darstellen. Unter Blinden ist ja der Einäugige König. Aber auch bisher bewiesene Stärke ist muss sich für das Künftige erst noch erweisen und ob der bisher Starke und Siegesgewohnte selber nüchtern beurteilen kann, ob er den Herausforderungen des Künftigen, ja ihm selber nicht Abschätzbaren gewachsen sein wird, muss vermutlich offen bleiben. Ganz generell wiederholt sich immer häufiger, dass die Qualifikation der Durchführbarkeit und Tauglichkeit der Projekte zur “Normalisierung” der Dynamiken durch diejenigen erfolgt, die bisher das Sagen gehabt und die Denormalisierung nicht zu verhindern vermocht haben.
Zur Werbung für den starken Partner, mit dem man “mehr” erreicht lässt sich grundsätzlich sagen, dass, wer sich mit dem, was er selber und ohne starken oder gar stärkeren Partner zu erreichen vermag, begnügen kann, auch allein über das Erreichte verfügt und erst noch seine Unabhängigkeit bewahrt. “Mehr” ist nicht unbedingt besser und allzuoft sogar nicht einaml das, was man selber wirklich gewollt hätte, wenn man sich nicht dem “starken Partner” hätte unterordnen müssen.
Dieses Thema der “Stärke”, der Teilhabe daran, des Profitierens davon und ihres wahren Preises ebenso wie ihrer wahren Wirkung wird in Zukunft viele Menschen in unterschiedlichsten Grössenordnungen und Zusammenhängen intensiv beschäftigen.